Schuhpflege Praxis Wasserglanzpolitur

Kleine, übersichtliche Anleitung zur Praxis einer Wasserglanzpolitur. (WaGlaPol)
Als Probe wurden ein Paar Allen Edmonds, „Fifth Avenue“, 8 E verwendet.
Sie sind neu und wurden noch nicht gepflegt.
Das Oberleder besitzt eine Narbung welche natürlich,  nicht jedoch wie
poliertes oder Lackleder glänzt.

Das Verfahren
Die Beschreibung ist nicht verbindlich.
Sie stellt eine mögliche Variante dar, nicht jedoch die einzig Richtige.
Auch bedeutet Wasserglanzpolitur umgangssprachlich zweierlei: einerseits spiegelt die so behandelte Fläche im Idealfall wie Wasser andererseites wird Wasser verwendet, um diesen Effekt zu erreichen.

 
SCHRITT 1
Benötigt werden: ein Glattlederschuh, eine Hartwachspaste, ein fusselfreies Tuch, etwas Wasser, eine Untertasse.
SCHRITT 2
Wasser in die Untertasse füllen, es wird später benötigt.
   
SCHRITT 3
Zunächst einmal die Hartwachsdose öffnen…
SCHRITT 4
…Farbe und Konsistenz prüfen. Ein etwas älteres, trockeneres Wachs kann von Vorteil sein.
   
SCHRITT 5
Das Poliertuch vorbereiten. Es kann über einen oder wie im Bild über zwei Finger..
SCHRITT 6
..gelegt werden. Die Oberfläche sollte glatt und faltenfrei gezogen sein.
   
SCHRITT 7
Das Tuch auf der gegenüber liegenden Seite der Polierfläche raffen und…
SCHRITT 8
..stramm (aber nicht zu fest!) drehen, bis die Finger fixiert sind.
   
SCHRITT 9
Schließlich das Stoffknäuel weiter zusammenfassen und…
SCHRITT 10
…mit den freien Fingern der Hand greifen und festhalten.
   
SCHRITT 11
Etwas Wachs aufnehmen und überschüssige Mengen wieder abstreifen.
Das Tuch sollte lediglich eine dünne Wachsmenge aufgenommen haben.
SCHRITT 12
Die auf dem Bild sichtbare Menge an Wachs ist nur breit verteilt, es ist aber nur in sehr geringer Menge vorhanden.
(Auch Fotos haben Grenzen..)
   
SCHRITT 13
Mit leichten kreisenden Bewegungen das Wachs auf kleinen Partien des Leders verteilen.
SCHRITT 14
Das Schwergewicht liegt auf dem gleichmäßigen Verteilen, weniger auf dem Einreiben.
   
SCHRITT 15
Jetzt mit dem Tuch etwas Wasser aufnehmen.
SCHRITT 16
Eine Wasserperle auf der gewachsten Tuchfläche reicht.
   
SCHRITT 17
Die zuvor mit Wachs behandelte Stelle mit sehr leichten, lockeren, polierenden Bewegungen behandeln.
SCHRITT 18
Dabei darauf achten, daß der Wasserfilm nicht abreißt. Ggf. Schritt 15 wiederholen.
   
SCHRITT 19
Es wird auschließlich mit dem feuchten Tuch poliert, bis die fein verteilte Wachsschicht zu glänzen beginnt. Der Druck ist nach Gefühl anzupassen.
SCHRITT 20
Der Vergleich zeigt: der rechte Schuh hat deutlich an Glanz gewonnen.
Für tieferen Glanz: Prozedur wiederholen ab Schritt 11 (und Schritt 15) im Wechsel
   
SCHRITT 21
Kontrolle des Ergebnisses durch Vergleich.Hinweis: es wird keine Ziegenhaarbürste oder ähnliches zum Polieren verwendet.
SCHRITT 22
Die so behandelte Fläche sollte idealerweise scharf abgegrenzte Reflexionen zeigen, die unbehandelte Fläche dagegen eher diffuse Spigelungen.


Die Physik einer Wasserglanzpolitur oder Warum glänzt es eigentlich (mehr)?
Definition Glanz: Glanz ist die Eigenschaft einer Oberfläche, Licht ganz oder teilweise spiegelnd zu reflektieren.

Unbehandeltes Leder

Durch die Narbung des Leders (kleine Vertiefungen, in denen vor dem Gerben die Haare des Tieres befestigt waren) und die feine aber ungleichmäßige Oberflächenstruktur des Leders wird das Licht in unterschiedliche Richtungen gebrochen.
Das Ergebnis ist eine diffuse Reflexion mit unscharfen Rändern.

Etwas Wachs

Werden die Vertiefungen auf der Oberfläche (bspw. mit Wachs) aufgefüllt und glattgestrichen (Verteilen mit Wasser), werden mehr Lichtstrahlen als zuvor in die selbe Richtung reflektiert. Die Oberfläche wirkt glänzender.

Mehr Wachs

Vergleichbar der Wasseroberfläche auf einem Teich (je weniger Wellen das Wasser zeigt, desto deutlicher spiegeln sich darin die Umgebungsobjekte) verhält sich das Wachs: je mehr Unebenheiten geglättet sind, desto mehr Lichtstrahlen werden in die selbe Richtung reflektiert; die Oberfläche erscheint glänzend.

Wasserpolitur

Im letzten Schritt sind alle Unebenheiten gefüllt und die Oberfläche zusätzlich mit einer zusammenhängenden Schicht Wachs bedeckt so, dass ein Spiegel entstanden ist, welcher nun alle aus einer Richtung stammenden Lichtstrahlen in die selbe, neue Richtung reflektiert. (für Spezialisten: Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel) Sich an dieser Oberfläche spiegelnde Objekte sind mit scharf abgegrenzten Rändern und Details zu erkennen, Lichtreflexionen wirken intensiv, kontrastreich und hell.

Fazit
Der hohe Spiegelungsgrad einer Wasserpolitur (und glauben Sie es: Wasser reicht dazu allemal, es muss kein Champagner sein und schon gar nicht Speichel..) rührt im Ergebnis von der feinfühligen Verteilungsleistung des Schuhpflegenden ab. Das Wasser selbst dient nur als Gleitmittel, welches verhindert, dass die aufgetragene, geglättete und langsam trocknende Wachsschicht auf dem Leder von der Textur des Tuches beim Verteilen/Polieren wieder angerissen wird. Der Mythos, das Wasser verbinde sich mit dem Wachs oder wirke entspannend auf das Leder ist und bleibt einer.  – Übrigens: In der Praxis wurden Hochglanzpolituren auch schon ohne den Einsatz von Wasser erreicht.

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