Leder, hautnah betrachtet. Vom Nichtglanz zum Wasserglanz. Eine Dokumentation.

Wir gehen den Dingen gern mal auf den Grund.
Und rücken dem Leder sozusagen auf die Pelle.
Warum? – Weil wir es können und weil es uns schon lange interessiert hat:
Die Frage nach dem Glanz – wie sieht Leder aus, wenn es glänzt?

Daher doukumentieren wir hier wahrscheinlich erst- und einmalig in der Sphäre der Deutschen Schuhblogs und -foren eindrucksvolle Nahaufnahmen einer Lederoberfläche in 5 unterschiedlichen Behandlungstadien.
(Es handelt sich bei den Aufnahmen um ein und dieselbe Lederstelle ein und deselbsen Schuhs bei ca. 10 facher Vergrößerung.)

1. Rau und schutzlos
Das Leder wurde mit Reiniger solange behandelt, bis die Oberfläche keine Appretur, Imprägnierung, Zurichtung oder Glanzhilfsmittel mehr besaß.
Die Oberfläche wirkt pelzig, matt und schutzlos. –  Schmutz, Wasser oder Anfärbungen könnten sich leicht in die Struktur vordringen und diese unattraktiv aussehen lasen.

2. Der Auslieferzustand
Die Aufnahme zeigt Leder eines schwarzen Schuhs, so wie er von der Produktion zur Auslieferung gegeben wird und in den Handel gelangt.
Die Struktur wirkt geschlossen und einheitlich, eine Narbung ist gut zu erkennen.

3. Gleichmäßiger Glanz – Guter Schutz
Neben einer Farbpflegecreme wurde zusätzlich Glanzwachs appliziert und mit einer Rosshaarbürste, sowie anschließend mit einer Ziegenhaarbürste poliert. Die Narbung wirkt sehr akzentuiert, das Leder glänzt gleichäßig und ist gut gegen Witterungseinflüsse geschützt.

4. Tiefer Glanz – ein garantierter Hingucker
Zwischen 6 bis 10 Schichten Glanzwachs wurden hier aufgetragen und mit sehr leichten Druck verteilt, bis das Lösungsmittel abgelüftet war. Anschließend erfolgte eine Politur mit einer Ziegenhaarbürste.
Die Narben sind fast vollständig mit Wachs aufgefüllt, Lichtquellen haben eine zwar noch leicht diffuse, aber schon enger lokalisierbare Reflexion.

5. Wasserglanz Politur – für Kenner und Könner
Die auschließliche Verwendung von Glanzwachs und dessen ausdauernde gleichmäßige Verteilung mithilfe eines fusselfreien Tuches unter Zuhilfenahme von Wasser als Gleitmittel erzeugt eine nahezu vollständig geschlossene Oberfläche.
Licht wird stark gerichtet reflektiert und ergibt abei der Ansicht klar abgegrenzte Glanzpunkte oder -linien.
Der Narben ist vollständig aufgefüllt, die Lederoberfläche wirkt wie unter einer Glas- oder Eisschicht, glossy.

Hinweis
Leider ist eine WaGlaPol, wie sie akronym bezeichnet wird, nicht besonders stoßresistent.
Selbst kleine Schäden in der geschlossenen Glanz-Fläche fallen sofort auf und müssen aufwändig repariert werden.
Überlegen Sie daher,  ob es sich für Sie und Ihre Tragegewohnheiten lohnt, diesen Aufwand zu betreiben.

Notwendiger Nachtrag
Trotz sorgfältigster, sanftester Wasserpolitur lassen sich letzte feinste Politurmarken, wie sie auf dem Bild noch senkrecht zu erkennen sind nicht beseitigen. Effektiv spielt dies aber bei der Gesamtschau eines Schuhs jedoch eine beruhigend vernachlässigbare Rolle, da sich die Augen eines Betrachters gewöhnlicherweise ab 155 cm Höhe befinden.
Von dort sind diese winzigen Streifen definitiv weder zu erkennen noch sind sie als signifikant hinsichtlich einer hochglänzenden Schuhoberfläche einzustufen.

~ von Shoe Shine Coach Frankfurt - Professioneller Schuhpflegeservice - 25/02/2012.